Logic Pro X Workshop 2
Workshop 2 - Nominalpegel in Logic (Arbeitspegel)
Hallo liebe Musikfreunde,
immer wieder höre ich von Kollegen, dass "Logic" nicht "klingt" oder das Ergebnis beim "bouncen" nicht so klingt, wie in Logic selbst.
Nun ... das ist einem relativ einfachen "Problem" zuzuordnen, welches bei genauerer Betrachtung absolut logisch, aber wie immer "(obwohl technisch relevant) nirgends in Handbüchern zu finden ist. Wenn man "Aufnahmen" in Logic macht oder Audiospuren in Logic importiert, sind die Lautstärken der einzelnen Kanalzüge meistens viel zu hoch. Das führt zu völlig "überfahrenen" Pegeln, welche leicht zerren oder den "Schutzlimiter" beim "bouncen" der Spuren auf den Plan bringt. Wenn ein Schutzlimiter zum Einsatz kommt, dann werden viele Signale einfach gnadenlos eingeebnet und "platt gefahren", was dann zu einem hörbar schlechteren, druckloseren und lebloseren Ergebnis führt.
Zum Grundproblem der Pegel in Logic. Wenn man Logic startet, dann sind alle Pegel-Anzeigen im Mixer-Fenster grundsätzlich "Post Fader".(Nach dem Fader) Im Klartext sind die Pegelanzeigen der einzelnen Kanäle nach dem Fader im Signalfluss angeordnet. Das ist zwar für die grundsätzliche Bearbeitung im Mix nicht verkehrt, aber man erkennt dadurch überhaupt nicht, ob ein Signal im Kanalzug selbst, nicht schon viel zu laut ist.
Was definiert man als "viel zu laut?"
Im Studioprozess des Mixdowns arbeitet man in der Regel mit einem sogenannten "Nominalpegel" oder auch als "Arbeitspegel" bezeichnet. Diese "höchstmögliche Signallautstärke" einer Spur sollte bei digitalen Arbeitsumgebungen (DAW) nach Möglichkeit die 0dB Grenze nicht überschreiten, da man ansonsten in Bereiche vor dringt, welche entweder zu Übersteuerungen oder im schlimmsten Fall zu digitalen Verzerrungen (knacken, krachen) führen.
Um diese grundsätzliche Übersteuerung des Systems zu vermeiden, gilt es penibel darauf zu achten, dass man den Nominalpegel nicht überschreitet. Wenn man nämlich schon im "dynamischen Sicherheitsraum" arbeitet, hat man kaum oder gar keine Luft mehr nach oben, was gerade bei der Bearbeitung durch Kompressoren und/oder Equalizern zum "scheitern" eines ganzen Mixes führt.
Hier mal ein Beispiel, bei dem ich einfach wie Einzelspuren der Aufnahme in Logic importiert habe:
Das ist die "Standard-Situation" in Logic. Angeblich würde man die "0dB" Grenze nicht erreichen, aber wenn man auf die Summe schaut (Stereo Out) sind wir mit 2,7dB schon über dem absoluten Maximum des System hinaus. Logic kompensiert dieses Problem zwar im Arbeitsmodus, aber nicht beim ausspielen (bouncen) der Summe. Daraus resultiert dann die oft unschöne Abweichung zwischen klanglichem Ergebnis intern und dem Ergebnis nach dem "Bounce".
Wenn man das Bild genauer betrachtet, erkennt man bei jedem Kanalzug, dass der Fader "links" und die Pegelanzeige "rechts" ist. Im Klartext bedeutet dies, daß der Fader im Signalweg vor der Pegelanzeige sitzt. Somit ist eine wirkliche Beurteilung der echten Lautstärke des Signals nicht möglich, da der Fader das wirkliche Ergebnis verfälscht. Wenn man die wirkliche Lautstärke des Signals im jeweiligen Kanalzug sehen will, dann muss die "Pegelanzeige" vor den Fader geschaltet werden (Pre Fader).
Diese Umschaltmöglichkeit besitzt Logic, ist aber leider nicht direkt zugänglich. Man muss einige Funktionen erst in der Steuerungsleiste einschalten, bevor man auf diese Funktionen zugreifen kann. In der Standard-Einstellung von Logic, ist die Pre-Fader Funktion nicht aktiviert bzw. in der Steuerungsleiste enthalten.
Das kann man recht leicht ändern:
Einfach in der Steuerungsleiste (ganz oben) mit der rechten Maustaste rein klicken und dann kommt folgende Auswahl:
Wenn man hier den Menüpunkt: "Steuerungsleiste und Anzeige anpassen" auswählt, kommt folgendes Menü:
Im rechten Abschnitt des Menü`s kann man jetzt die Funktion "Pre Fader Metering" aktivieren. Nach Verlassen des Menüs befindet sich die Umschaltungstaste zwischen "Post und Pre" der Pegelanzeigen jetzt in der Steuerungsleiste:
Wenn man diese Umschalttaste jetzt drückt, kann man zwischen Post und Pre Metering umschalten. Das erkennt man im Mixer daran, daß sich die Pegelanzeige jetzt Wahlweise links (Pre/Vor-) oder rechts (Post/Nach) dem Fader befindet.
Hier zum Vergleich (Post Fader):
Bei genauerer Betrachtung des Pre Fader Modus erkennen wir, dass die Skala der Pegelanzeige auch völlig anders ist. Der "0dB" Bereich liegt in Wirklichkeit bei einem Maximum von "zwischen -12 bis -15dB". Das genau ist die typische Baustelle, über welche die meisten Logic User bezüglich zu hohen Pegeln stolpern und zu unschönen Ergebnissen führt.
Hier einmal ein einzelner Kanalzug im Pre Fader Metering Modus mit der Pegel-Skalierung:
Wenn man also mit einem technisch korrekten Pegel arbeiten möchte ohne das System in Fachsprache "zu heiß" zu fahren, gilt es die Pegel jeden einzelnen Kanalzugs (ähnlich wie bei einem Livemischpult mit dem Gain Regler) erst einmal richtig ein zu pegeln. Dann klappt das auch beim späteren Mixdown. Damit man dafür nicht die "Fader" zu weit runter ziehen muss und somit den "Faderweg" für den späteren Mix minimiert, was zu einer schlechten Kontrolle der Lautstärkeeinstellungen führt, kann man den Pegel jedes Kanals separat regeln und zwar so, dass das lauteste Signal die Skalierung von 0dB nicht überschreitet. (Ich nutze hierfür den -15 Wert als Maximum bei meinen Mixdowns)
Den Pegel jedes einzelnen Kanalzugs kann man im "Info Fenster" jedes Channels einstellen:
Wenn man den Song einmal durchlaufen lässt, kann man die jeweils lauteste Stelle an den Werten (Zahlenwerte) genau ablesen. Jetzt gilt es in jedem Kanalzug den "Pegel im Infofenster" soweit anzupassen, dass die lauteste Stelle den -15 Wert (0dB) nicht überschreitet. Erst wenn dieser Wert (Nominalwert/Arbeitspegel) in jedem Kanalzug korrekt eingestellt ist, kann der eigentliche Mix beginnen. Wenn man den Song dann durchlaufen lässt, wird man feststellen, dass der Wert in der Summe (Stereo Out) überhaupt nicht mehr oder nur noch marginal ins "Rote" geht. Somit haben wir Platz geschaffen für die klangliche und dynamische Bearbeitung eines Songs und das Ergebnis beim ausspielen (Bounce) entspricht klanglich dem, was wir vorher auch in Logic gemischt und gehört haben.
Eigentlich eine einfache Sache, aber eine gewaltige Baustelle für viele Anwender, da in den Handbüchern zu dem Thema nichts geschrieben steht und der Hersteller davon ausgeht, dass der Endkunde sich mit den verschiedenen technischen Pegeln auskennt. Dem täglichen "Studio User" mag das geläufig sein, dem Hobbymusiker oftmals nicht.
Wenn der "Nominalpegel" in jedem Kanalzug eingestellt ist (max. Wert = -15), dann ergibt sich daraus auch ein deutlich geringerer Pegel in der Summe (Stereo Out)
Hier mal ein Screenshot nach dem Einstellen der Spuren bzgl. Nominalpegel:
Während im oberen Beitrag die Kanalzüge noch nicht auf den Nominalpegel eingestellt waren, hatten wir in der Summe (Stereo Out) einen max. Pegel von +2,7dB über 0 ! Was ganz klar über dem technisch sicheren Pegelbereich ist. Hier würde eine Ausspielung der Daten schon zu einer Klangveränderung führen. (Schutzlimiter)
Nach der Bearbeitung der Nominalpegel haben wir in der Summe (Stereo Out) nur noch einen max. Pegel von -7,1 dB ! Hierdurch gewinnt das gesamte System mehr Headroom für weitere Spuren und/oder mischtechnische Bearbeitungen, welche i.d.R. zu höheren Summenpegeln führt. Bei der Bearbeitung der Master-Spur sollte man allerdings vorsichtig sein und die Dynamik für ein späteres Mastering nicht zu extrem "platt" fahren. Die meisten Mastering-Ingenieure mögen noch ca. 6dB Dynamik um dem Mix noch die nötige Nachbearbeitung geben zu können. Dynamisch zu extreme Bearbeitungen können hier sehr schnell einen ansonsten guten Mix zerstören.
Wer also einem Mixdown ein technisch sinnvolles Mastering anschließen will, der sollte darauf achten das der Mastering Engineer noch mind. 6dB Dynamik "(Luft") hat um seine Arbeit machen zu können. Alles was hier schon mit Kompressoren und Limitern "platt" gemacht wurde, führt zu keinem vernünftigen Ergebnis mehr. Wenn ein Projekt aus wesentlich mehr Spuren besteht, wird der Summenpegel natürlich noch lauter. Wer hier dagegen steuern will, kann im Summenkanal (Stereo Out) ein Gain PlugIn verwenden um die max. Summenlautstärke herunter zu regeln ohne dabei die komplette Mischung (Das Mischungsverhältnis der Spuren zueinander) kaputt zu machen.
Man könnte zwar jetzt sagen: ... dann regle doch gleich die Summe einfach runter und dann passt das wieder. Nein ! Denn dadurch verändert sich nicht der Regelbereich der einzelnen Kanalzüge, was zur Bearbeitung des Mixes aber substanziell wichtig ist. Wenn man ständig nur in den ersten zwei Zentimeter des Faderwegs "herum gurkt" um einen sinnvollen Mix hin zu bekommen, ist das eine unnötige Erschwerung im Mixprozess (... wer hat bei seinem Auto schon gerne nur einen Weg des Gaspedals von 5mm. Da ist eine vernünftige Dosierung auch kaum mehr machbar !), dabei kann man mit minimalem Aufwand zuvor, die Probleme der Mischungsverhältnisse, der Regelbarkeit und der Übersteuerung umgehen bzw. verhindern.
Der beste Weg ist auch hier das "hinhören". Neben den technischen Fehlern der Übersteuerung ist auch die klangliche Komponente mit Verzerrungen und einem übermäßig "scharfen" Sound immer ein Warnzeichen für mischtechnische Übertreibungen. Wie immer gibt es verschiedene Methoden und Vorgehensweisen. Die goldene Regel sagt hier: ... nichts ist in Stein gemeiselt und das Ergebnis ist entscheidend.
Zum Schluss noch ein Praxis-Beispiel, wie der Pegel im Kanalzug nicht übersteuert wird, aber dennoch in der Stereosumme für ordentlich "Dampf" dahinter sorgen kann.
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